Montag, 10. September 2007, 38. Tag
Heute blieb ich im Hotel, um endlich mal an meiner Rezension zu arbeiten. Ich musste feststellen, dass mein MP3 Player den Weg allen Fleisches gegangen war. Obwohl er gar nicht aus Fleisch war. Er wollte wohl auch ein richtiger Junge werden.
Ob es an den Batterien lag, weiß ich nicht. Sehr ärgerlich jedenfalls wegen der schon ausgefüllten Zollpapiere, die ich dort drauf gespeichert hatte.
Da wir am Vortag nicht mehr dazu gekommen waren, fuhren wir heute zum Wu Jiao Chang- dorthin, wo es gleich 5 Supermalls auf einen Haufen gab. Zwei davon waren jedoch geschlossen, so kamen wir auch nicht an unseren deutschen Bäcker, der uns zuvor so glücklich gemacht hatte mit deutschem Brot. Aber schon unser Bestellmeister, Hillard, fehlte, der sonst die Bestellungen entgegen nahm, da er wie so viele in Peking weilte.
Aber von Shanghai nach Peking? Das wüsste ich aber.
Lohnt sich so kurzdoch gar nicht.
Also holte ich mir ein Brot beim Franzosen. IM Geschmack eher pappig aber ertragbar, dafür schnell am auseinanderfallen. Abends gingen wir zum Supermarkt in der in der Straße gegenüber, den ich entdeckt hatte. Nicht so groß wie der Wu Mai, aber wesentlich größer als der Kedi und umfangreicher, außer in Sachen SOjamilch. Nur die Frischetheken fehlten. Auf dem Rückweg fanden wir (endlich) eine Straßenküche abgesehen von Pfannkuchen und eklig mit halbrohen Hackfleisch gefüllten Dumplings. Es war eine kalte Küche und ich sah mir erstmal eine Weile an, wie das ganze denn Funktionierte, auch wenn der "Koch" hartnäckig versuchte, mir ein fettes Stück Fleisch anzudrehen, bei dem ich nichtmal wusste, welcher Teil Schwein da dargestellt werden sollte. Nach einer Weile hatte ich es dann verstanden und wandte mich an den Koch. Mit Fingern zeigte ich auf ein menü aus Schweinebraten, Black Fungus, Garnelen und Gurken. Dazu haute der Koch, dem ich beim Würzen mal freie Hand ließ, einige Gewürze und Soßen, ein superscharfes Gewürz von dem ich immer nur "bao gao" verstand und rote Bohnen hinein, dazu jeeeedeeeemeeeengeee Koriandergrün- damit auch niemand behaupten konnte, es schmecke ihm nicht. Wie sollte etwas nicht schmecken, dass man nicht schmecken konnte?
Das ganze kostete 13 Yuan und war reichlich. Im Zimmer portionierte ich noch was ab für den nächsten Tag, musste aber dennoch einiges wegschmeißen.
Das ganze war extrem scharf aber auch sehr lecker. Bei solchen Speisen ist es gut, dass man nie ohne mindesten 3 Tüten aus dem Supermarkt geht, denn so viele brauchte es mindestens (!) um das Essen bzw. dessen Reste geruchsfest zu verpacken.
Mittwoch, 12. September 2007, 40. Tag
Aus irgendeinem Grunde war meine Uhr verschwunden. Keine Ahnung wo sie hin ist, habe alles abgesucht, sie war fort.
Wirklich wunderlich war das nicht, eher, dass sie so lange durchgehalten hat. Eigentlich war sie in einem guten Zustand gewesen, als ich sie mitnahm. Doch schon in der ersten Woche löste sich das Halteband und bald auch der Teil, der die Schnalle festhielt. Ich reparierte sie mit Pflasterband aus dem Verbandskasten, echt stylisch. Nun war die Uhr weg. Um Batterien für den geplanten Samstagsausflug und auch neue Marmelade zu besorgen, wollte ich eh zum Wu Mai. Dort direkt am Ausgang, den wir als Eingang benutzten, war ein Schmuck- und Haarspangenladen, der auch Uhren verkaufte. Schöne Teile.
Eigentlich wollte ich wieder ein Lederarmband, doch die einzige Damenuhr mit Leder war immer noch viel zu klobig. Die nächste, silberne Uhr die mir gefiel war mit 186 Yuan für MICH zu teuer. Dann fand ich endlich eine schmale, kleine, runde Uhr die auch nur 78 Yuan kostete. Aber ich brauchte ja auch noch Batterien dafür!
Die Verköuferin, die trotz extrem langer Fingernägel sorgfältigst ein Glied aus dem Armband für mich entfernt hatte, setzte die Battterie ein, doch irgendetwas funktionierte nicht. Sie griff nach einer anderen Uhr, die meiner ähnlich war, nur mit weißem Inlay und armreifartiger Oberhälfte.
Die Frage, ob sie mir auch gefalle, bejahrte ich und bekam diese schon aktive Uhr für den selben Preis. Eine echte japanische Eyki für 8 Euro. Hust.
Auf dem Rückweg entdeckten wir eine weitere Straßenküche, diesmale ine Warme und auch einen Kommilitonen darin. Diesen fragte ich, wie man dort was zu essen bekam. Es gab kleine Körbchen, die man sich nahm um aus der Theke was zusammen zu stellen. Rechts war Fleisch, Würstchen, Bällchen, dann Ei, Tofu, Pilze, dann Gemüse und ganz links dann Algen, Seetang, Seefutter und ... Wachteleier. Warum sind die eigentlich so teuer? Die schmecken wie normale Hühnereier. Aber immerhin- endlich frisches Seefutter und das in Shanghai!
Drüber lag noch Grünzeug und Nudeln. Yay Grünzeug!
Um alles durchzuprobieren stellte ich mir einen Schaschlikspieß, Hühnchen, Oktopus, Black Fungus und eine Art chinesischen Spinat zusammen. Das ganze gab man ab und es wurde in eine Brühe gepackt, später noch gewürzt und gekoriandert, allderings nicht durchgemischt. Das Problem war, dass sie verdammt extrem SCHARF war, und das von mir als Chililiebhaber. Das ganze kostete 12 Yuan (1,20 €) und war MASSIG. Essbar waren Algen, wenn man bei dem versuch auch fast erstickte weil sie aus einem mind. 2 meter Stück bestand. Auch Seetang, Spinat und besonders der Oktopus waren lecker. Das Huhn war wabbelig und die Pilze zwar lecker aber einfach zu groß. Oh, die Lotuswurzeln habe ich vergessen! Hab auch nur einmal reingebissen, sie waren widerlich.
Später probierte ich noch folgendes aus:
- nach tofu aussehende Fischkissen, oder so. Sah aus wie Eierstich, schmeckte wie Panade von Fischstäbchen. Lecker aber für mich unverträglich
- grüne Markklößchen oder so, schmeckten wie warme Variante der Frühlingszwiebelbrote, das war nicht so doll.
- Schweinbällchen mit Hack gefüllt, überlebbar aber nicht mein Ding, denn das Hack schmeckte irgendwie süß
- Wachteleier: Man kriegte ja hier keine normalen Eier,a ber sie schmeckten wie Hühnereier, abgesehen davon,d ass sie hellblau waren.
- Krabbenfleisch: lecker, aber zäh
- Unidentifiziertes, stacheliges weißes Fleisch ausm Meer, lecker, keine Ahnung was es ist, guter Zungenputzer.
- Würstchen: Jetzt weiß ich wo die Oktopusse in Bento herkommen, die Dingerwerden gekreuzt eingeschnitten und nochmal aufgebrüht, dann gehen sie auseinander und sehen aus wie Octopi.
- Surimi- mag ich eigentlich lieber kalt und die Folie wurde hier auch dran gelassen oO
- dicke, schwabbelige Glasnudeln. Lecker
- Bai Cai in Mini Form, auch lecker
- Crab Cake. Vom Namen nicht verunsichern lassen, das sind dicke, viereckige Packetchen in reinweiß. Steinhart, gekocht von der Konsistenz einer Lasagnenudel und schmeckt auch ähnlich, sehr lecker.
Freitag, 14. September 2007, 42. Tag
Mal wieder ein Abschlusstest, da die Lehrerin mitten drin gewechselt hatte, nur zwei Lektionen, aber auch die bekam ich kaum ins Hirn. Wenn ich an die zwei Wochen Yang-Unterricht denke, deren Vokabeln ich alle vor der Examensprüfung mwiederholen muss- ohne tägliches Diktat lerne ich einfach nicht....
Die Grammatik dagegen war einfach, das meiste kannten wir ja auch schon. Ich muss aber gestehen, dass der Kurs mir in dieser Hinsicht wirklich was gebracht hat. Die Sachen nochmal wiederholen, noch mal eine Chance haben es zu verstehen und Fragen zu stellen, die im Unialltag untergehen.
Im Diktat konnte ich mal wieder die Wörter nicht, von denen ich dachte ich könnte sie am besten, und umgekehrt. Der Test selbst ging 78,5 Punkte aus, nicht das beste, aber es geht. Wir sollten über das Thema Gesundheit mehr als 100 Worte verlieren. Schwer dachte ich, aber dank meiner Krankenhauserfahrung hier ging es doch, allerdings wurde ich von der Lehrerin mittendrin unterbrochen, also wehe es gab Punktabzug für zu wenig Worte... 15 von 20 sind bei meiner Aussprache aber okay. Insgesamt schloss ich dei Woche mit 95 Punkten ab, ich glaube, dass ist einer meiner besten Scores. Nachdem wir noch ewig sitzen mussten, um die Testlösungen abzuschreiben, wurden wir als letzte entlassen. Li Laoshi unterhielt sich noch mit mir über den Unterrichtsstil, um den ich wie immer meine freie Meinung abgab- nicht schlecht, sehr chinesisch und sehr Grammatik-lastig. Danach wurde ich verkuppelt- sie wollte gerne meine ICQ Nummer ound E Mail Adresse haben, weil sie einen Freund (oder eine Freundin, im chinesischen gibt es kein Geschlecht) hat, die/der deutsch lernt und gerne ein nettes deutsches Mädchen kennenlernen würde. Ich hab da mal nicht nein gesagt, meine Chinesisch-Kenntnisse können einen Tandempartner brauchen. Gehört habe ich bisher allerdings noch nix.
Am Vortag war der Suppenladen leider geschlossen gewesen, doch heute hatte ich Glück und bekam mein ersehntes Oktopusüppchen. Ich liebe Oktopus, er quietscht so schön, wenn man drauf rumkaut. 90 cent, und das für etwas, dass bei uns als Delikatesse recht teuer ist.
Samstag, 15. September 2007, 43. Tag
Da beim letzten mal meine Kamera versagt hatte, ging es nochmal ins Shanghai Museum. Eigentlich wollten wir früher los, doch die Faulheit siegte. Und eigentlich war heute ein Feiertag, wenn auch nicht das Mondfest wie ich zu der Zeit noch dachte. In Shanghai wird das Mondfest übrigens ekelhafterweise mit Fleisch gefüllten Mondkuchen im Familienkreis gefeiert, statt mit süßen Kuchen wie überall sonst in China.
Was auch immer an dem Tag war, wir bekamen tatsächlich einen Sitzplatz im Bus zur Nanjing Rd und die Nanjing selbst war schön geschmückt. An einer Stelle war eine Bühne aufgebaut, doch man konnte wegen einer Wand nichts sehen. Das Wetter war wechselhaft, am Morgen Sonne, dann die ganze Zeit diesig und nach dem Museum wieder sonnig.
Die Straßenplanung in Shanghai ist etwas seltsam. Eigentlich wollten wir nur über die Straße gehen. Dort lag das Museum direkt mit Eingang. Es führten auch sämtliche Straßen hin und es gab auch Zebrastreifen.. bis zur Mitte der Straße.
Dort war plötzlich ein Zaun, kilometerlang ohne Unterbrechung. Wir mussten weit zurücklaufen um eine Unterführung zu finden. Die noch nichtmal klimatisiert war.
Da wir nur fotografierten, gingen die ersten Etagen sehr schnell. Es gab diesmal sogar eine Ausstellung unter dem Thema Goya und Consorten. Es war extremst voll und fotografieren leider verboten. Hab aber trotzdem ein Bild meiner Maria gegkriegt.
Endlich konnten wir Zeit für den 4. Stock nehmen. Dort fotografierte ich für Muttern sämtliche Trachten der vorhandenen chinesischen Minderheiten ab. Auch für die Ming Möbel blieb Zeit. Ich ging durch die Münzgallerie und wie ein Omen waren die für Onkel Wolfgang gedachten byzantinisch-römischen Münzen weg, wahrscheinlich auf Leigabe. Aber ein Heft holte ich ihm dennoch, ICH denke ja an meine Verwandten.
Danach brauchte ich eine Pause, weil meine Füße wehtaten, aber es hätte schlimmer sein können, wie ich wusste. Diese Schuhe hatte ich billig im Wu Mai gekauft, nachdem ich eine Stelle mit Blasenpflastern gepolstert hatte, waren sie echt bequem, da stark gepolstert mit einer Art Luftkissen- schon ein Fortschritt gegenüber den dünnen europäischen Dingern, in denen man jede Straßenunebenheit spürt und sich schon nach 10 Minuten wundläuft.
Die Taxifahrt vom Museum zum Yu Garten kostet 12 Yuan.
Dort gingen wir etwas Shoppen.
Wir gingen in einen Pinselladen, in dem Nicole eigentlich Pinselhalter suchte. Ich fand einen schönen Tuschekasten chinesischer Art mit natürlichen und metallischen Farben. Die Verkäuferin wollte 288 Yuan haben und ich lachte mich kaputt, hatte ich im Museum doch erst einen ähnlich großen, wenn auch nicht so ergiebigen Kasten gekauft- für 60 Yuan. Ich war wirklich entschlossen dieses Ding stehen zu lassen, doch die Verkäuferin ließ mich nicht gehen und ging auf 65 Yuan runter, das war okay für mich- enthielt der Kasten letztendlich doch etwa das doppelte an Farbe als der aus dem Museum.
Als nächstes gingen wir Siegel machen, denn Nicole brauchte noch einen Nachnamen. Als ich einen Stempel mit Kranich entdeckte, dem Zeichen für Unsterblichkeit, ließ ich direkt einen für meine Mutter machen, auch mit europäischen Namen, damit sie ihn auch benutzen kann. Wieviel er gekostet hat bleibt mein Geheimnis, aber wenigstens gab es eine anständige Tinte dazu.
In einem Kleiderladen wurde ich tatsächlich für Schwanger gehalten -_-°
Gut, ich hatte eine Kleid an und meine Figur ist bekannt. Die Verkäuferin deutete auf die Kinderklamooten und fragte: "Oh, will it be a boy or a girl?" Wie peinlich.
NIcole kaufte für sich und ihre Freundin Klamotten ein und ich suchte nach einer größeren Tasche. Da ich eh Übergeweicht haben werde wollte ich möglichst viel ins Handgepäck stopfen und in eine weitere Tasche, die ich dann als Handtasche ausgeben würde, was hoffentlich gelingt. Doch Pink war nicht so meine Farbe. Schwarz wäre nicht schlecht gewesen. An einem Stand handelte ich die passende Tasche erstmal auf 100Yuan runter, und wäre auch bereit gewesen eine rote zu nehmen, da hatte sie die Schwarze schon bestellt und sie sollte gleich vorbeigebracht werden.
Dieses Gleich bestand aus 30 Minuten in denen wir rumstanden und saßen. Selbst den Verkäuferinnen wurde langweilig, so dass sie uns wahllos irgendwelche anderen Taschen vorschlugen. Kurz vor Fünf kam die Tasche dann und stellte sich als Dunkelblau mit extremen Schnörkerln dar.
Doch die waren wenigstens monoton, also okay. Die Tasche ist gut tragbar, verschließbar und hat Platz, vor allem ist die Handytasche groß genug um meine hüllenlose Digicam unterzubringen. Allerdings hielt der Reißverschluss nicht lange durch, aber den kann man ja wechseln.
Am Ende hingen wir noch im Starbucks und bekamen mal wieder den Mango-Passionsfrucht Smoothie NICHT. Aber ein Himbeer-Irgendwas tats dann auch. Ich bestellte mir einen Schokokuchen der vom Geschmack (1 Packung Kakao pur) und Konsistenz (fast getrockneter Beton) etwa 50.000 Killorinen (Kalorien) haben dürfte.
ZUm Abschluss suchte ich noch Kleider in meiner Größe und fand natürlich keine. Mein absolutes Traumkleid war mir knapp zu klein. So eins wollte ich mir eigentlich dann im Stoffmarkt machen lassen, scheiterte aber am Samtpreis.
Zum Schluss waren wir noch in einer Art Kaufhaus und fanden auf dem kleinen Stück wo wir waren schon allein 6 Klamottengeschäfte, neben allem anderen das da war. Nachdem Nicole die Schals eines Standes zu teuer waren und sie gehen wollte wurde sie kurzerhand entführt. Die Schaltante rannte hinter ihr her, packte sie am Arm und schleppte sie wirklich mit aller Kraft zurück. Die Verkäuferin der Klamotten vor mir und ich lachten uns scheckig, doch Nicole bekam den Preis, den sie wollte.
Ein Taxi zu bekommen dauerte natürlich ewig, und danach holten wir uns nur noch schnell was zu essen um im Zimmer zu verschwinden- und Bücher zu katalogisieren in meinem Fall.
Donnerstag, 20. September 2007, 47. Tag
Tagelang hatte es gegossen wie aus Kübeln und stürmisch wurde es danna uch. Am Mittwochmorgen erfuhren wir, dass bald ein gewisser Taifun Wipha (was für ein Name...) bei uns eintreffen sollte.
Eigentlich hatten wir vor, auf den Stoffmarkt zu gehen, denn Nicole nervte mich tierisch mit ihrem verdammten Qipao, über das sie sogar im Schlaf sprach.
Alle machten sich Sorgen wegen des Taifuns und wir blieben dann auch lieber mal zuhause.
Ich erfuhr auch, dass zuhause sämtliche Kunden und Freunde nach den 18 Uhr Nachrichten angerufen hatten um nach mir zu fragen XD
Der Taifun verfehlte uns komplett. Mehr als den alten Regen bekamen wir nicht ab, denn es war gar kein richtiger Taifun, sondern nur ein Tropensturm geworden mit 75 km/h. Dennoch standen andere Teile von Shanghai wohl unter Wasser.
Am Donnerstag war das Wetter besser, also tigerten wir los. Zum Stoffmarkt hinter der Nanjing Rd. Von dort aus ein wenig laufen und 2. Straße rechts, in mehr oder weniger schäbige Verkaufsgassen- war wohl Standard hier- nach einigen Straßen Seitenwechsel und die 2. oder 3. nach links.
An der Ende dieser Straße lag rechts der Stoffmarkt (großes, rotes Gebäude), doch wir bogen erstmal links ab in ein anderes Schneidergebäude. Dort hatte sich Nicole ihr Qipao machen lassen. Es war hellblau und weiß und stand ihr wirklich gut. Tja, maßgeschneidert.
Allerdings hatte es einen Stehkragen. Also nochmal ändern lassen.
Ich suchte mir mein Kleid zusammen und fand schnell einen schönen Schnitt, alles Andere kam anders als gedacht. Da Samt zu teuer war wurde es doch schwarze Seide mit Drachenmuster oO° Seide günstiger als Samt... und da es keinen schönen violetten Stoff gab, der einzige war zu dünn, wurde es ein roter in der selben Art wie der schwarze. Ich wollte den Beinschlitz allerdings etwas weniger hoch haben, da meine Beine nicht schön sind, und wartete mal ab ob DAS klappen würde.
So konnte ich den Preis auch auf 400 Yuan drücken. Nicole zahlte für ihr Qipao 500 Yuan, es brauchte aber auch 8 m Stoff. Dafür (40 €, 50€) bekommt man in Deutschland schon kaum ein Kleid von der Stange, schon gar kein Gutes, erst recht kein Maßgeschneidertes. Über meinen dicken Hintern war der Schneider allerdings nicht sehr glücklich, pech für ihn (oder doch für mich?) dass ich sein Gefluche gut verstand.
Nicole ließ sich auch noch schnell etwas anpassen und weiter gings schräg über die Straße zum echten Stoffmarkt.
Ich hatte mir ja vorgestellt, der Stoffmarkt sei wirklich ein MARKT ... Nein.
Er befand sich in einer Art Kaufhaus über drei Etagen hinweg mit zahlreichen kleineren Ständen. Und überall diese wunderschönen Mäntel!
Aber teuer eben auch.
Ich fand dann eine Verkäuferin die einen leichteren chinesischen Halbmantel für 250 Yuan anbot. Da konnte ich nicht nein sagen und es sollte ein grün (innen) schwarzer (außen) werden. Ich war sehr gespannt ob er sitzen würde.
Auch sah ich viele Stände mit Samt, wunderschön, einen sonnenuntergangsroten Samtstoff, nur 5 € pro Meter... wenn man jetzt wüsste, wieviel Meter man braucht. Auf dem Rückweg wollte ich noch bei einem Teeladen vorbei, doch der war irgendwie verlassen, so konten nur die tollen Naturholzmöbel bestaunt werden.
Auf dem Heimweg wollte ich nur zwei Bananen und etwas Milch kaufen, wobei ich erfuhr, dass Joghurt "gu nai" (Alte Milch) heißt, Ach nee!
Doch mein Vorhaben noch ins Internet-Café abzusteigen wurde jäh vereitelt durch den frostigen Schock, dass ich meine Papiere nicht dabei hatte! Und ich hatte sie IMMER dabei!
Extrem beunruhigt, sie eventuell verloren zu haben, ging ich zum Hotel. Auf dem Weg dahin kam mir schon Nicole entgegen, die eignetlich vorgegangen war. Sie erklärte mir, dass ihr Zimmerschlüssel (Karte) nicht funktionierte. Wir also beide rauf, doch meiner funktionierte auch nicht.
Da das Schloss ziemlich feddig aussah, befürchtete ich schon das Schlimmste: Einbruch.
Wir also beide zur Rezeption und was kam raus? Das Personal hatte mal wieder Scheiße gebaut!
Wir hatten beide im Vorraus bezahlt, aber unsere Schlüsselkarten mussten wieder neu aufgeladen werden, weil der PC dachte, wir hätten nicht bezahlt.
Großartig! Saftladen.
Wir rauf aufs Zimmer, um festzustellen, dass unser Wasser im Bad knallgelb und dann braun wurde... wahrscheinlich wegen des Sturms in der Stadt.
Ich fand meine Papiere dann auch wieder, denn glücklicherweise waren si wohl nur aus der Tasche gefallen. Schwein gehabt.
Nach einem Trip ins Internet-Cafße packte ich mein 323€ Packet, sau schwer, und bekam sogar alles rein. WIRKLICH SCHWER! (26 kg).
Danach brauchte ich eine Stärkung und machte mir die heißersehnte Bananenmilch, auf die ich nachmittags plötzlich Appetit bekommen hatte. Auch Sünden müssen sein.
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Date: 28 Nov 2007 14:34 (UTC)From: